Marktgalerie Leipzig
 
am alten Markt


Architekt: Christoph Mäckler
Zeit: 2001- 03
 
 


Angenehm: Optische Unterteilung der großen Gebäudemasse in verschiedene Häuser.
April 2005. Im Vordergrund: Das ist kein Bau einer zusätzlichen Tiefgarage, sondern der eines unterirdischen S-Bahntunnels, der die Innenstadt von auto Mobilen entlastet! Die folgenden vier Fotografien © 2005 Thomas Kantschew



Neue Ecklösung. Offensichtlich gab es jedoch im komplizierten Meinungsfindungsprozess
zwischen Architekten, Stadt und Bauherren eine Änderung gegenüber dem ursprünglichen Entwurf, der für die beiden Ecken dreieckig herausragende, erkerartiger Glaskanzeln vorsah.





Neue Interpretation von hochstehenden Dachgauben, dezente Gliederung
der Fassade mit Lichtstreifen. Im Detail zeichnet sich an der Steinfassade ein
fein gearbeitetes Rillenprofil ab, das allerdings industriell hergestellt wurde.
Die Betonung der Ecke hätte vielleicht noch etwas raffinierter sein können.

 


Marktgalerie Lichthof - mit freischwebenen bzw. hängenden Leuchten



Architekt: Christoph Mäckler


"Der Frankfurter Architekt, Jg. 1951, hat einen Lehrstuhl für Entwerfen und Städtebau an der Universität Dortmund. Zu seinen bekanntesten Bauwerken gehört der Berliner "Lindencorso" Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße. In der Hauptstadt entwarf er außerdem die Zentrale der KPMG. Seine Marktgalerie in Leipzig ist fast fertig, aktuelle Projekte sind der Hochhauskomplex der Zürich-Versicherung am Opernplatz in Frankfurt am Main und das Augustinermuseum in Freiburg. Mäckler zählt zu den profiliertesten Vertretern einer stärker an der Tradition orientierten Architektur, die steinern sein soll, fest gefügt und handwerklich sauber verarbeitet, dadurch auch alterungsfähig. Zuletzt gab Mäckler das Handbuch "Werkstoff Stein" heraus, das das Zeug zum Klassiker hat. Es enthält unter anderem 116 Abbildungen von Natursteinsorten." (Die Welt am 13.04.05)

Die Rückkehr des steinernen Leipzig

"Als vor knapp vier Jahren das DDR-zeitliche Messeamt abgerissen wurde, um Platz für die neue Marktgalerie zu schaffen, genossen viele Leipziger die plötzlich entstandene Weite des Stadtraums und die Blickbeziehungen, die sich nun zwischen Markt und Klostergasse eröffneten.
Heute aber, da die Marktgalerie der Vollendung entgegenschreitet, dürfte kaum jemand dieser ephemeren Offenheit des Platzes nachtrauern. Denn entgegen allen Befürchtungen hebt sich der von der Straubinger Unternehmensgruppe Stoffel errichtete Einkaufs, Büro- und Wohnkomplex wohltuend von den plumpen Investorenkisten à la Kaufhof-Galeria und Petersbogen ab.
Mit seinem vom Frankfurter Büro Prof. Christoph Mäckler Architekten entworfenen, sorgfältig austarierten Fassaden stellt er am Markt jenes stadträumliche Gleichgewicht wieder her, das durch Kriegsbomben und brachiale Eingriffe der DDR-Moderne ins Wanken geraten war.
Durch die Gediengenheit der steinmetzmäßigen Bearbeitung und eine differenzierte Gliederung des Baukörpers, die die vorkriegszeitlichen kleinteilige Parzellierung der Platzfront wiederaufnimmt, kommt der Neubau zugleich der Sehnsucht nach verlorenen Qualitäten städtischer Architektur entgegen." (Arnold Bartetzky in Kreuzer-Leipzig, April 05)

Leipzig prunkt am Markt mit einer neuen Urbanität

Wenn über Suburbanisierung, Flächenverbrauch und verödende Innenstädte gestritten wird, geraten die Gegenbeispiele meist aus dem Blick. Aber es gibt sie, auch wenn es die Prediger der "Zwischenstadt" - also der Auflösung der Städte in Siedlungsbrei - noch nicht sehen wollen. Ein solches Beispiel ist Leipzig, das über den deutschlandweit größten Bestand von Gründerzeitvierteln in herausragender Qualität verfügt. Nach der Lehre von der Auflösung der Städte hätte in den maroden, ruinenhaften Vierteln sofort nach der Wiedervereinigung der Abriß beginnen müssen. Doch das Gegenteil war der Fall. Die alte Innenstadt erblühte zu neuem Leben und zeugt heute von einem Glanz und einer Lebendigkeit, wie sie kaum eine zweite deutsche Stadt aufbieten kann. Jetzt sind die Gerüste an der neuen Marktgalerie gegenüber dem Alten Rathaus gefallen - und siehe da: Zum erstenmal gelingt es hier nun auch mit den Mitteln moderner Architektur, wieder so etwas wie "urbanes Milieu" hervorzuzaubern. Für 77 Mio. Euro hat die Unternehmensgruppe Stoffel das früher von einem klotzartigen DDR-Gebäude überbaute 5000 qm Meter große Areal mit einem Ensemble von Häusern bebaut, die die strukturelle Vielfalt eines Altbauquartiers entfalten. 14 500 qm sind für Einzelhandel reserviert, davon 11 000 für das Modehaus Breuninger, das hier ab Oktober ein neues Großkaufhaus betreiben wird. Darüber entstehen Büros und Wohnungen. Als Architekten des neuen Quartiers, zu dem auch eine Passage gehört, zeichnen der Frankfurter Christoph Mäckler (Fassaden) und das Düsseldorfer Büro RKW (Innenausbau) verantwortlich. (Die Welt, 16. März 2005)

Internetseite des Architekturbüros zur Marktgalerie:
www.chm.de/de/marktgalerie.html

Text ebd.:
" Straßen und Plätze bedeuten die Bühne des öffentlichen Lebens einer Stadt. Schon immer waren es Orte des Handels und Verkehrs, der Begegnung und Kommunikation. Jahrhundertelang dienten Häuserwände als Umgrenzung dieser städtischen Räume. Die Bomben des Zweiten Weltkrieges zerstörten nicht nur viele für die Geschichte eines Ortes wichtigen Bauwerke, sondern vor allem auch die Einmaligkeit historisch wertvoller Straßen und Plätze. Zugleich wurde mit der Idee der „Stadtlandschaft“ aus der Mitte des letzten Jahrhunderts die den Platzraum formulierende Häuserwand aufgebrochen. Plätze und Straßen verloren ihren großstädtischen Charakter. Ihnen wieder ihre ursprüngliche großstädtische Fassung zurückzugeben, sie wieder zu einem zusammenhängenden, geschlossenen Ensemble zu fassen, ist eine der wichtigsten architektonischen Aufgaben unserer Zeit.

So können neue Orte der Identifikation entstehen. Der Entwurf für die Fassaden der neuen Marktgalerie in Leipzig bedeutet an diesem wichtigen Ort im Herzen der Stadt ein Stück Stadtreparatur. Die Gliederung der Fassaden greift die ehemalige Passagenstruktur des Blockes und die ehemals kleinteilige Parzellierung auf. Sie spiegelt, wie auch die Dachlandschaft, die verschiedenen Nutzungseinheiten wider. So kann eine lebendige Fassade entstehen, die den städtischen Raum einrahmt, ohne ihn zu dominieren. Ein wichtiges gestalterisches Element ist dabei die Alterungsfähigkeit der Fassaden. Denn sie müssen Patina ansetzen können. Zugleich sollen die Häuser in ihren Fassaden für Generationen funktionieren, auch wenn sich die Nutzungen im Inneren vielleicht ändern werden."


BauNetz brachte einen inzwischen etwas veralteten Rückblick über das ehemalige Messehaus am Markt von Rudolf Rohrer und Rudolf Skoda (1961 - 63). Darinnen Aufnahmen des Hauses in den typischen Formen der Nachkriegsmoderne. "Bauten der Moderne in Gefahr"

 

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Bitte lesen Sie auch den Text von Chr. Mäckler "Heimat - Ort der Identität" vom Juli 2003

Dort heißt es u.a. "Es ist die Identität, die Authentizität des Ortes, dem wir das Gefühl von Tradition, das Gefühl von einem Zuhause zu entreißen suchen, ein Gefühl, das wir in den letzten 50 Jahren auf unsere eigenen vier Wände beschränkt haben und das im öffentlichen Raum als "Heimat" umschrieben war. Und eben dieser Gedanke von Heimat, von Zuhause, scheint mir, muss zukünftig eine besondere Rolle im Aufgabenbereich der Denkmalpflege innehaben. Heimat sei hierbei nicht verstanden als ein allein auf die Vergangenheit bezogenes, verschwommenes Gefühl, sondern als inhaltliche Auseinandersetzung um die Gestaltung menschenwürdiger Verhältnisse in unserem Land, aufbauend auf Vorhandenem, Gebautem und Erlebtem früherer Generationen. (...)

In einer Zeit, in der dem Gestaltungsbedürfnis des freien Architekten darüber hinaus keine Grenzen gesetzt sind, in einer solchen Zeit muss der staatlichen Denkmalpflege eine andere Rolle zukommen, eine Rolle, die den baukulturellen Gesamtzusammenhang eines Ortes höher bewertet als den Einzelbau als Zeitdokument.

Und es ist mir dabei bewusst, dass es sich bei der Erfüllung dieser neuen Aufgabe nur um ein Korrektiv handeln kann, ein Korrektiv für eine Übergangszeit, in der wir Architekten uns einer ortsgebundeneren Architektur zuwenden müssen, einer Architektur, die sich mehr dem städtischen Ensemble denn der Selbstdarstellung widmet, einer Architektur, die sich von scheinbar avantgardistischen Strömungen befreit und sich die Baugeschichte als Grundlage ihrer Ausformung zu eigen macht, ohne sich stilistisch anzubiedern.

Es ist wichtig, zu erkennen, dass der Moderne eine gesellschaftspolitische Dimension innewohnt, die eine stilistische Übernahme vergangener Bauepochen grundsätzlich ausschließt. Auszuschließen aber sind nicht jene Bauelemente und Konstruktionen, die die Moderne als unzeitgemäß und damit unzulässig verwarf. Sie zu erforschen und in unsere Zeit der Nachmoderne zu übersetzen, empfinden wir als eine große Herausforderung. Und so beschäftigen wir uns seit einigen Jahren mit der Konstruktion unterschiedlicher Dachformen, mit Dachgauben, Fenstergewänden, Fensterläden und der Ausbildung von Erkern. (... ) im Bild: Sporthalle in Berlin Köpenick, 2002

Während wir dem funktionalen Städtebau unsere ganze Aufmerksamkeit widmen, bleiben die Wahl und die Verarbeitung des Materials eines Bauwerkes und dessen architektonisches Erscheinungsbild völlig unberücksichtigt und dies obwohl ein jedes Haus im Zusammenspiel mit den Nachbarhäusern das städtebauliche Gesamtbild einer Straße oder eines Platzes prägt. Wir beachten die Höhe eines Hauses, ob eine Fassade aber aus Sandstein, rotem Ziegel, Putz oder aus Spiegelglas errichtet ist, entzieht sich dem öffentlichen Interesse.

Man überlässt es vielmehr dem Architekten, seine Vorstellungen frei zu realisieren und überlässt die städtebauliche Qualität und die Chance, eine örtliche Tradition zu stärken, damit dem Zufall.

Und eben hier kommt der Denkmalpflege eine besondere Rolle zu, denn zumindest an Orten von historischer Bedeutung sollten wir über Gestaltungssatzungen auf die Integration von Neubauten in das Ensemble einwirken. Nicht der architektonische Alleingang des Einzelhauses, sondern die architektonische Gestalt, die sich dem Wohle des Gesamtbauwerkes, des Platzes oder der Straße einfügt, schafft eine erkennbare Identität. Die Addition der sich einer Gestaltungssatzung unterordnenden Bauwerke gibt der Gesamtgestaltung dieser Plätze eine gestalterische Kraft, die weit über die Gestaltungsmöglichkeiten des Einzelbauwerkes hinausgehen.

Das Einzelbauwerk profitiert damit also vom Gesamterscheinungsbild des Platzes. Und die Geschichte, die die Tradition dieses Platzes bis heute bestimmte, bildet die Grundlage der aufzustellenden Gestaltungskriterien.

Die Gesaltungssatzung ist ein politisches Instrument, das die bisherigen Baugesetze ergänzt und erweitert und Stadtparlamente in die Lage versetzt, fachlich fundierte Entscheidungen im Bereich des Städtebaus zu treffen. In einer Zeit, in der die Tradition der Platzgestaltung, wie wir sie seit Jahrhunderten in Europa kennen, in Vergessenheit zu geraten droht, liegt es im Interesse des Gemeinwohls, die Idee der übergreifend einheitlichen Gestaltung in einer Stadt wieder aufzugreifen und die vorhandenen historischen Strukturen vor einer weiteren Zerstörung zu schützen.

Die Gestaltungssatzung ist zunächst also ein Schutz der Interessen des Gemeinwesens Stadt und ein Instrument, das europäische Städte in ihrer Geschichte bis ins 19. Jahrhundert angewandt haben. Im Baustatut der Stadt Frankfurt am Main aus dem Jahre 1809 ist zu lesen, ich zitiere: "dass jemand, der aus Liebe zum Sonderbaren oder aus Eigensinn seinem Gebäude eine solche Fassade geben wollte, durch welche ein offenbarer Missstand entstehen und die gemeine Straße verunziert werden würde, zu der Ausführung die Erlaubnis versagt werden soll.

Gestaltungssatzungen sind ein Regulativ, wie wir es aus anderen Lebensbereichen unserer demokratischen Gesellschaft kennen und gesetzlich verankert haben. Architekten, die sich einer Gestaltungssatzung wortreich verwehren, müssen sich die Frage stellen lassen, welchen Wert sie dem Gemeinwohl in unserer Gesellschaft zuordnen. Eine Architekturausbildung, die Architekten hervorbringt, die nur mit "ihrem Beton", "ihrem Klinker" oder "ihrer Glashaut" umzugehen verstehen, sollte man von Bauaufgaben innerhalb städtischer Ensembles fernhalten.

Allerdings dürfen wir nicht verkennen, dass unsere eigene Ausbildung und die unserer Studenten fast ausschließlich dem Entwurf gewidmet war und ist, und es wird einige Zeit benötigen, bis wir die Tragweite dieser verfehlten Ausbildung erkannt und geändert haben werden. Ändern aber werden wir sie nur, wenn die Gesellschaft ihren bereits unüberhörbaren Unmut dazu nutzt, auf die Politik unseres Landes einzuwirken.

Sind wir wirklich Nostalgiker, die wir unsere Zukunft mit Vergangenem verbinden wollen, um unsere eigene Kultur damit in selbstverständlicher Kontinuität fortschreiben zu können? Ich glaube nicht, aber wir könnten als Architekten zu nostalgischem Gehabe gezwungen werden, wenn wir die Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft weiter ignorieren. ")

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Umgebautes Messehaus am Markt (nicht von Mäckler) im neuen Gewand. Für den Platz zwischen Thomaskirche und Marktgalerie ok. Am Dresdner Neumarkt in dieser Härte und
den riesigen Ausmaßen ungeeignet. (Foto: www.lvb.de)

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Architektur der Erinnerung
Mit seinen Bauten für Frankfurt/ Main sucht Christoph Mäckler nach den Traditionen der Stadt
von Dankwart Guratzsch

(...) Zu seiner hartnäckig-zielstrebigen Version von Stadtumbau sieht sich der Architekt durch Entwicklungen legitimiert, die die Eigenständigkeit und Identität der europäischen Stadt bedrohen. "Wir richten, in Erinnerung an unsere Frankfurter Geschichte, den Blick in die Zukunft. Wir tun dies in dem Wissen, daß die globalisierte Welt nur jenen Städten im alten Europa eine Chance lassen wird, die sich ihrer Geschichte bewußt sind und sich zu dieser sichtbar bekennen." - Der ganze Artikel in Welt vom 13.04.05



zum Vergleich: Neue Interpretationen von Dachgauben,
Sanierter Altbau in Berlin an der Spree gegenüber der
Museumsinsel, Aufnahme: 21.04.05 (T.Kantschew)