Sächsische Zeitung, 21. Mai 2015

Altes Handwerk am Neumarkt

Der Jüdenhof wird mit Ziegeln gebaut. Aber der Streit um die Fenster geht weiter.

Von Bettina Klemm

Für Investor Michael Kimmerle steht fest: "Styropor als Wärmeschutz kommt bei mir am Neumarkt nicht vor." Er wolle doch nicht nachfolgenden Generationen Sondermüll hinterlassen. So besinnt er sich auf alte handwerkliche Traditionen und baut mit Ziegeln. Nur dort, wo es aus statischen Gründen nicht anders geht, werden Betonstützen eingezogen. Auch die Kellergewölbe sind aus Beton.

Drei Kräne drehen sich auf der Baustelle zwischen dem Kulturpalast und der Schössergasse. "Ich freue mich, dass es so gut vorwärtsgeht", sagt der 40-jährige Bauherr. Inzwischen haben die etwa 50 Arbeiter auf dem künftigen Jüdenhof zu Dresden bereits das erste Obergeschoss gemauert. Um Wärme- und Schallschutz zu sichern, werden spezielle Hohlziegel mit einer Mineralfaserdämmung verwendet. Sie sind 52 Zentimeter dick. Das geht allerdings zulasten der Fläche im Inneren. Dass diese Ziegel den Anforderungen genügen, hat Kimmerle bereits mit einem Mehrfamilienhaus in der Mosenstraße bewiesen.

Der Jüdenhof erhält einen etwa 17 mal sieben Meter großen Innenhof, über den sich ein Glasdach ausbreitet. Auch die beiden Aufzüge für das künftige Hotel sind schon erkennbar. An der Ecke zum Johanneum entsteht das Dinglingerhaus. Dessen historische Keller werden im Original erhalten. Anfang 2016 will Michael Kimmerle Richtfest feiern und Ende 2016 sollen die Mieter in die 19 Wohnungen einziehen können. Zudem sind sechs Läden und zwei Büros vorgesehen.

Derzeit wird beispielsweise der Erker des Trierschen Hauses gemauert. Das Gebäude gehört zu den sogenannten Leitbauten und wird nach historischem Vorbild errichtet. Ärgerlich blickt Kimmerle auf das Haus gegenüber. Dort sind am Erker die Fenster gekippt. Doch genau das soll ihm verwehrt werden. Die Stadt fordert in ihren Auflagen zur Baugenehmigung den Einbau von Fenstern, die nicht zu öffnen sind. Lärmschutz, der vom Kulturpalast ausgeht, ist der Grund. Das betrifft nicht nur die Seite des Jüdenhofs, die an den Kulturpalast angrenzt, sondern auch die gegenüberliegende, weil dort nachts die Transporter mit Veranstaltungstechnik vorbeifahren. Kimmerle hat vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen die Stadt eingereicht. "Ich streite bis zur letzten Instanz", kündigt er an. Auch zwei weitere Neumarkt-Investoren klagen.

Unterstützung kommt von der Politik. So beklagt Jörg Urban von der AfD: "Weil bei der Planung des Kulturpalastumbaus nötige Lärmschutzmaßnahmen schlicht vergessen wurden, sollen jetzt private Investoren benachteiligt werden."

"Wie weiter bauen?" So wurde ein Podiumsgespräch der Gesellschaft historischer Neumarkt mit den Oberbürgermeisterkandidaten Eva-Maria Stange, Dirk Hilbert, Markus Ulbig und Stefan Vogel überschrieben. Es findet am 29. Mai um 17 Uhr im Kulturrathaus statt.

ein Foto
Der Jüdenhof wächst bereits in die Höhe. Bauherr Michael Kimmerle lehnt eine Wärmedämmung mit Styropor ab.


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